Archive für Beiträge mit Schlagwort: Endzeit

Gestern waren wir neue Vorräte holen. Das Ganze ging recht unspektakulär vonstatten, abgesehen davon, dass wir beim Überqueren der Autobahn 7 einen brennenden Porsche gesehen haben. Muss nen ziemlichen Zacken drauf gehabt haben, wenn man sich die Trümmerspur so ansieht. Leider haben wir die Getränke vergessen und mussten deswegen heute noch einmal in die Stadt.

Ein paar Mal hatte ich das Gefühl, dass wir verfolgt oder beobachtet werden. Nichts wirklich greifbares, aber das Gefühl, das einen beschleicht, wenn man irgendwo auf weiter Flur steht. Dieses Verlangen, sich zu verstecken, zu verkriechen und sich so klein wie möglich zu machen, damit man nicht gesehen wird. Wir waren ja nicht wehrlos. Jan und ich hatten unsere Gewehre dabei, Dennis war mit seiner Frau Jenny im Supermarkt und sie packten unzählige Getränkekisten in den Einkaufswagen. Ich sah mich um, konnte aber nichts feststellen. Jan hatte die rechte Seite des Pickups übernommen, ich sicherte die linke. Wir hatten recht dicht vor dem Eingang geparkt, alle Türen waren offen, so dass wir schnell weg konnten, falls etwas unvorhergesehenes passieren sollte.

Als wir wieder auf dem Rückweg waren, schilderte ich meinen Verdacht und wir machten ein paar extra Kurven. Als ich gerade auf der letzten Kreuzung auf die Straße aus der Stadt raus eingebogen bin, hab ich im allerletzten Moment ein Fahrzeug im Rückspiegel gesehen. Ich trat das Gas voll durch, denn nun konnten wir nur noch durch Geschwindigkeit entkommen. Der Dodge brüllte auf, während er aus der Stadt beschleunigte und die Landstraße vor sich aufzufressen schien.

Nach ein paar Minuten hatten wir mein Haus erreicht, der Wagen stand mit tickernd abkühlendem Motor unter dem Tarnnetz in der Auffahrt gegenüber, wir hatten uns ins Obergeschoss begeben, um einen besseren Überblick zu haben. Es dauerte ein paar Minuten, dann kamen zwei Autos angefahren. Ein dicker Mercedes cls und ein alter VW t3 Pritschenwagen. sie fuhren langsam an der Straße vorbei, dann konnte man regelrecht sehen, wie der Beifahrer den Natozaun sah und den Fahrer zum Bremsen nötigte. Langsam rollten die beiden Autos die Straße mit heruntergelassenen Fenstern hinauf.

Jan war etwas zu langsam, um sich aus dem Sichtbereich wegzuducken, als ein Mann auf der Rückbank des Mercedes in unsere Richtung sah. „Achtung!“ rief der Kerl, „Die sind auf der anderen Seite, das ist ne Falle!“ Die Wagen stoppten abrupt und alle suchten dahinter Deckung. Jeder trug eine Waffe. Zwei waren nur mit Pistolen ausgerüstet, die anderen vier hatten Jagdgewehre, allerdings ohne Zielfernrohr. Wir wollten nicht warten, bis die Kerle die Initiative übernahmen. Jan feuerte zuerst. Das 308er Geschoss stanzte ein sauberes Loch in den Kotflügel des Mercedes. Ich begann die Ladefläche des VWs zu beschießen, denn darunter befand sich der Motor. Bevor wir das Waffengeschäft abgefackelt hatten, haben wir uns jeder eines dieser modernen Red-Dot Visiere mitgenommen. So konnte man bequem durch eine Optik sehen und das Ziel wurde mit einem roten Punkt belegt. Danebenschießen fast unmöglich. Der Rückschlag der mächtigen Waffe überraschte mich. Ich hatte lange nicht geschossen und brauchte ein paar Schuss, um mich wieder daran zu gewöhnen. Nach ein paar Schuss lief schwarzes Motoröl die Straße hinab, auch der Mercedes wird sich aus eigener Kraft kaum noch fortbewegen. Die Kerle hinter den Autos hatten sich gefangen und festgestellt, dass der Platz hinter den Fahrzeugen denkbar ungünstig war, nachdem erste Kugeln einfach beide Türen durchschlagen hatten. Sie zogen sich auf das Grundstück des Nachbarn zurück, gefolgt von noch mehr Gewehrfeuer. Wir wollten sie nicht treffen, sie sollten nur verschwinden. Keiner von denen dachte daran, auch nur einen Schuss abzugeben, während wir ein Magazin nach dem nächsten leerten.

Hinter einer Hausecke verschanzte sich einer der Männer und richtete sein Gewehr auf mein Haus. Ich sah den Mündungsblitz und spürte Staub und kleine Splitter umherfliegen, als das Projektil die Dachpfannen und Rigipsplatten durchschlug. Jan begann die Hausecke unter Beschuss zu nehmen und Steinsplitter, Putz und Staub schufen eine unwirtliche Umgebung. Der Mann lief davon. Die anderen fünf waren lange auf dem Rückzug, als der Gewehrmann sich nochmal umdrehte und ausgiebig zielte. Die vor ihm aufspritzende Erde die durch unser Feuer verursacht wurde, interessierte ihn scheinbar nicht. Er zielte. Jan gab einen weiteren Schuss ab und traf ihn mitten in der Brust. Der Kiefer klappte herunter, die Waffe glitt ihm aus den Händen und er fiel wie von einem LKW getroffen nach hinten.  „Aus.“ sagte Jan trocken.

Die Ohren klingelten noch eine Zeit lang, während wir uns Gedanken darüber machten, wie wir weitermachen wollten.

Es lief darauf hinaus, dass wir verschwinden mussten. Das erste Mal waren die Kerle zu zweit und mit Steinen bewaffnet. Nur ein paar Tage später haben sie sich auf wundersame Weise vermehrt und auch noch aufgerüstet. Was kommt als nächstes? Die Luftwaffe? Ein taktischer Atomangriff?  Wir studierten die Karte, beratschlagten uns und fassten schließlich einen Plan. Der Dodge wurde beladen, alles wichtige in Kisten auf der Ladefläche verzurrt. Ums Haus war es mir sehr schade. Es gefiel mir. Für den Fall, dass ich noch mal wiederkommen würde, hab ich alle mir wichtigen Sachen, die nicht mit konnten, in den Generatorraum in den Keller gebracht und alle Türen verschlossen. Ich ging noch einmal durch die leeren vewaisten Räume, bevor ich die Tür hinter mir ein letztes Mal abschloss. Der Dodge brummelte vor sich hin, als er langsam die Auffahrt des Nachbarn verließ und auf die Hauptstraße einbog.

 

Stefanis Tagebuch: http://letzte-tage.blogspot.de/

Wir sind auf weitere Überlebende gestoßen. Sie waren nicht freundlich gesinnt.

Heute morgen haben wir einen Bolzenschneider und ein Brecheisen eingepackt und sind mit meinem Polo zum Langsee gefahren. So nennt sich der Übungsplatz der Bundeswehr nördlich von Schleswig. Da mein Wohnort südlich von Schleswig liegt, sind wir durch die Stadt gefahren, um auf Lebenszeichen zu achten und um beim örtlichen Baumarkt noch ein wenig Werkzeug zu besorgen.

Lustigerweise haben wir uns, obwohl wir die einzigen weit und breit waren, an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten und sind mit knapp über 50 km/h die Flensburger Straße entlanggefahren. Im Gegensatz zu den ganzen Endzeit- und Zombiefilmen ist die Straße komplett frei. Offensichtlich zieht es den Eingeborenen ganz im Gegensatz zu seinem nordamerikanischen Artverwandten nicht ins Auto um dann zum Sterben in andere Autos, eine schon versperrte Kreuzung oder einen Tunnel zu fahren. Der Deutsche stirbt standesgemäß zu Hause, bei laufender Glotze und brennender Stehleuchte auf dem Beistelltisch.

Die Flensburger Straße führt ein gutes Stück an einem Wald entlang, der auf der linken Seite bis fast an den Gehweg heranreicht. Wir waren an der steilsten Stelle, wo der arme Polo sowieso schon zu kämpfen hatte, als Jan ganz plötzlich „Alter!“ rief. Im nächsten Moment kamen zwei vermummte Gestalten auf die Fahrbahn gerannt und warfen mit faustgroßen Steinen auf unser Auto. Der erste traf die Windschutzscheibe und hinterließ eine Delle mit Spinnenetzmuster, von dem sich große Risse nach oben und unten ausbreiteten. Der Zweite ging irgendwo zwischen die Scheinwerfer. Anstatt zu bremsen, trat ich voll aufs Gas um von diesen Spinnern wegzukommen. Ein weiterer Stein flog glatt durch die hintere Seitenscheibe.

Ohne auf Ampel und Vorfahrt zu achten, beschleunigte ich den Kleinwagen weiter und wir verließen Schleswig nach wenigen Minuten. Bis wir den Übungsplatz erreicht hatten, redeten wir kein einziges Wort miteinander.

„Wir müssen das Auto loswerden“ war Jans schlüssige Feststellung. Ich sagte ihm, dass ich einen etwas anderen Plan hatte. Wir luden den Polo bis oben hin mit Natodraht voll, die Polster waren damit komplett ruiniert. Die rasiermesserscharfen Klingen auf dem Draht zerschnitten die Bezüge, verhedderten sich in ihnen und zerrissen sie bei jeder Bewegung. In einem Gerätehaus fanden wir Unmengen an Bandstacheldraht, ein flaches Eisenband mit ebensolchen scharfen Klingen. Er war wie Klebeband aufgerollt und befand ich in einem praktischen Abrollgerät. Ich nahm es mit.

Beim Baumarkt besorgten wir uns Kunstrasen und kiloweise Nägel. Die Nägel passten noch ins Auto, der Kunstrasen musste aufs Dach geschnallt werden. Wir schlugen auch die rechte hintere Scheibe ein, um einen Gurt durch den Wagen zu ziehen. Er war sowieso hinüber.

Das Grundstück des Nachbarn dekorierten wir auffällig mit dem Natodraht, den wir in einer Dreierrolle (zwei Rollen unten und oben eine mittig daraufgelegt) um das gesamte Grundstück legten. Zu guter Letzt stellten wir den Polo dort auf die Auffahrt. Meine geplasterte Auffahrt legten wir mit dem Kunstrasen aus, durch den wir vorher die Nägel steckten. Eine Fahrspur für ein Auto ließen wir frei. Um das Ganze etwas echter wirken zu lassen, vertreuten wir zwei Schubkarren Sand darauf. Mit unserem Ergebnis waren wir zufrieden. Der Bandstacheldraht wurde in Knöchelhöhe durch den Vorgarten gezogen, der vor allem durch seine Ungepflegtheit bestach. Wer dort durchschleichen will, der legt sich unter Garantie lang. Mit ziemlich ekligen Schnittwunden an den Füßen. Mit etwas Glück fiel er mit dem Gesicht in die nächste Reihe und braucht sich ums Narbenschminken für den nächsten Fasching keine Sorgen zu machen.

Dennis hat sich gemeldet. Sein Nachbarhaus brennt, sie packen und wollen so bald wie möglich zu uns kommen. Wir haben vereinbart, dass er anrufen soll, solange das Handynetz noch funktioniert.

Plan für Morgen:

– Neues zweckmäßiges Auto besorgen.

– Generator testen

– Sicherung des Grundstückes prüfen

Die Ereignisse aus der Sicht von Stefan können hier gelesen werden: http://letztetage.tumblr.com/

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